Viktorianisches Kekserlebnis

Viktorianisches Kekserlebnis

Nach dem letzten kitschigen Sonnenuntergang brach heute unser letzter Tag auf der Insel an. Da unser Flug ja erst um 20:30 Uhr gehen sollte, hatten wir ja noch jede Menge Zeit, um weitere Dinge auf dieser faszinierenden Insel zu entdecken.

Scenic Drive mit einsamen Stränden

Da wir in der Zwischenzeit ja ganz im Norden angekommen waren und der Flughafen ganz im Süden liegt, hatten wir uns für den Tag vorgenommen einfach gemütlich die Ostküste hinunterzugondeln bis nach Mahebourg. Dort hatten wir uns noch 3 Programmpunkte zum Abschluss vorgenommen. Aber erstmal ging es los mit dem Sightseeing – und das sollte doch fast zur längsten Etappe der ganzen Reise werden. Fast 100Km fuhren wir durch verschiedene Küstenabschnitte immer entlang der Ostküste von Mauritius. Alle paar Kilometer wechselt die Art der touristischen Infrastruktur, die Vegetation und die Art des Wasserzugangs.

Am Anfang ist alles noch sehr touristisch geprägt, dann folgen prächtige Villen, die den Zugang zum Meer abriegeln, bis dann nach ein paar sündteuren Ressorts auf einmal die touristische Infrastruktur komplett aufhört und ein ganz ursprünglicher Teil der Insel die Szenerie beherrscht. In diesen Fischerdörfern gibt es wenig touristentaugliche Zugänge zum Meer und bis auf so verwirrte Touristen wie wir es sind, kommt hier kaum einer lang

Auf der ganzen Strecke findet man immer wieder sehr schöne Public Beaches. Der schönste aus unserer Sicht Belle Mare Beach. Traumhafter einsamer Sandstrand mit Palmen und dahinter einige Meter Kiefernwald zum schattigen Ausspannen.

Biscuiterie H. Rault 

Wie schon gesagt in Mahebourg, das nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt liegt, hatten wir noch ein bisschen Programm. Los ging es mit einer Keksfabrik. Wobei der Begriff ‚Fabrik‘ eher hochgegriffen ist – sagen wir mal Manufaktur. Ganz ehrlich, so etwas hatten wir in dieser Form noch nie gesehen, und ich kann nur jedem empfehlen, die paar Kilometer vom Flughafen hierher zu fahren, bevor er sich aufmacht zu seinem Lieblingsstrand!

Hier werden seit 150 Jahren – ohne eine Veränderung in der Herstellung – Kekse aus Maniok in liebevoller Handarbeit hergestellt. Man sollte hier auf jeden Fall die Führung mit Tasting mitmachen, weil man in 20 Minuten eine Zeitreise ins 19.Jh geboten bekommt und eine Art und Weise der Herstellung von Keksen sieht, die auf der Welt einzigartig ist – UNESCO – das solltet ihr mal als Kulturgut anerkennen 😉

Also was ist jetzt so besonders? Erstens werden die Kekse aus Maniok hergestellt und außer ein bisschen Zucker und Aromen, wie Zimt, Vanille und Kokos ist da nix drin. Kein Ei, kein anderes Mehl, kein anderes verbindendes Element. Vielmehr wird aus der Maniokwurzel ein unheimlich trockenes Mehl gepresst und dieses wird auf einer großen heißen Platte von fleißigen Frauenhänden in Formen gepresst und solange geröstet und getrocknet bis ein unfassbar trockener Keks entsteht. Die Damen tragen auch noch die passenden viktorianischen Hauben – auch ein spannendes Detail aus einer anderen Ära. Das ganze dauert weniger als eine halbe Stunde und man kann während der Führung jeden Arbeitsschritt nachvollziehen.

Allein der Ofen auf dem die Kekse gebacken werden ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Es ist einfach eine sehr große Eisenplatte, die auf Backsteinen ruht, und die von unten befeuert wird. Traditionell geschieht das mit alten Palmwedeln. Auch der komplette Verpackungsprozess ist Handarbeit und verklebt wird das ganze mit Maisstärke. Und der Maniok wird nach wie vor auf der großen, rostigen Waage aus dem 19. Jh abgewogen.

Zurück im Tageslicht geht es an die Verkostung. Die Kekse sehen nicht nur trocken aus – sie sind auch staubtrocken zu Essen. Aber in Verbindung mit einem Tee oder Kaffee ergibt sich eine wunderbare Kombination aus Wüste und Meer, die ihren eigenen Reiz entfaltet.

Also wie gesagt, es lohnt sich wirklich, das zu sehen.

Wellness für Rücken und Bauch

Nach dieser faszinierenden Erfahrung hatten wir uns vor dem Rückflug noch eine Massage gebucht in einem lokalen Massagestudio – nicht in einem teuren Hotel, sondern bei einer kleinen Massagepraxis mitten im bunten Treiben von Mahebourg. Wirklich eine sehr entspannende Erfahrung, bevor man sich in den Flieger nach Deutschland setzt. Kleiner Nachteil: man ist danach doch etwas ölig und die langen Sachen für den deutschen Winter kleben somit etwas auf der Haut 😉

Für den Magen haben wir unsere letzte Mahlzeit wieder beim selben Inder im Einkaufszentrum bei Mahebourg eingenommen wie am ersten Tag. Warum? Weil es so gut geschmeckt hat, dass wir gesagt haben: bevor wir am Flughafen abhängen wollen wir noch eine ordentliche Mahlzeit. Im Nachhinein stellte sich das als eine sehr gute Entscheidung heraus. Also auch hier eine Empfehlung: wer kurz nach der Landung oder kurz vor dem Abflug noch einmal gut essen will – Good Korma in der Bo’Valon Mall ist eure beste Anlaufstelle.

Rückflug mit Hindernissen.

Unser Rückflug verlief leider nicht ganz so glatt wie erhofft, aber wir hatten ja zum Glück 4h Zeit zum Umsteigen in Istanbul. So, erst einmal muss ich mich wieder über Menschen wundern, die es nicht schaffen, mit 20kg Gepäck auszukommen. Vor dem Check-In Schalter spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen lamentierten mit Check in Personal, rissen Koffer aus, packten Dinge aus, zogen Dinge an und stürmten ohne Rücksicht auf wartende Reisende wieder an die Spitze der Schlange, um das lamentieren mit den Bediensteten fortzusetzen . Also da lernt man mal wieder, OMMMMM in Dauerschleife zu sagen und fragt sich kopfschüttelnd, warum niemand die paar Euro für eine Kofferwaage investieren möchte…

Danach begann das große Warten. Unser Flieger kam ja aus Madagaskar und hatte da schon mal eine Stunde Verspätung im Gepäck. Irgendwie schafften wir es dann mit gut 1,5h Verspätung auch wirklich loszurollen. Doch leider blieb es beim Rollen – auf dem Weg zur Startbahn hatte eine Passagierin aus den Tiefen des Ostens erst einen Kollaps und dann einen hysterischen Anfall. Das ganze führte zu viel lamentieren und Geschrei und der Suche nach medizinischen Personal – Resultat: zurück ans Gate, Passagierin aussteigen lassen und dann wieder Warten – Sicherheitscheck, Auftanken usw. Das Ende vom Lied – wir kamen erst mit 3h Verspätung raus aus Mauritius.

Auf jeden Fall wurden so aus unseren 4h Umsteigezeit gerade mal 1h. Und der Flughafen Istanbul ist riesig und man weiß ja nie, was einen erwartet. Beim Hinflug mussten wir beim Umsteigen durch keine Sicherheitskontrolle. Dieses Mal dass ganze volle Programm. Keine Ahnung, ob es da ein System gibt. Auch wo der Flieger abfliegt, ist reine Glückssache es gibt keine bestimmten Terminals für bestimmte Bereiche, sondern alles kann und nix muss! Außerdem wurde unser Gate erst 75min vor Abflug bekannt gegeben, und so war es ein bisschen Rennerei bis wir zum Glück den Flieger erreichten. Jedenfalls erreichten wir den Schneeregen in München ohne weitere Verzögerung.

So – der Worte sind genug geschrieben für heute. Ich versuch noch mal, einen Statistik Blog in den nächsten Tagen zu schreiben. Bis dahin bereiten wir uns auf das nächste Abenteuer vor – heute haben wir Tickets für das neue Große Ägyptische Museum in Gizeh für Januar gekauft. Also die erste Reise 2026 ist auch schon in Planung!

Wir lesen uns!

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