Neuer Tag, neue Tempel: heute ging es ein gutes Stück raus aus Luxor, um zwei weitere beeindruckende Tempelanlagen nördlich von Luxor zu erkunden – aber zuerst einmal musste man da auch hinkommen. Und wer wäre dafür besser geeignet als unser erster Taxifahrer, der uns schon sicher aus Hurghada hierhergefahren hatte?
Road to Abydos
Auf dem Weg nach Abydos durften wir mal wieder ein paar neue Verkehrsregeln kennenlernen. Zuerst einmal wird eine 4 spurige Autobahn bedarfsgerecht genutzt. Sprich auf den beiden räumlich getrennten Fahrspuren wird nicht das rechte Band 2 spurig nach Norden benutzt und auf der Gegenseite 2 spurig nach Süden gefahren – nein, das wäre zu einfach. Vielmehr werden beide Seiten mit Gegenverkehr befahren. Auch unser Fahrer wechselte ziemlich schnell die Autobahnseite – warum – weil die Seite besser geteert ist und man deshalb schneller fahren kann – ganz einfach. So bretterten wir mit 100 Sachen als Geisterfahrer mehrere Kilometer durch die Wüste. Der Verkehr ist nicht sehr dicht und man kann auch sehr weit sehen – aber es ist schon ein neues Fahrgefühl.
Als nächstes ist die Frage, ob du die Autobahn benutzen darfst, von der Höhe des Bakschisch bei den jeweiligen Straßenkontrollen abhängig. Unbeliebte Verkehrsposten können aber jederzeit als Geisterfahrer, durch Hinterhöfe oder sonstige Ideen umgangen werden.
Außerdem ist Telefonieren während der Fahrt eher Pflicht als verboten – manchmal hat man den Eindruck, die Autos werden über das Handy gesteuert, weil man sieht kaum jemanden, der nicht während der Fahrt in sein Handy brüllt. Egal, ob es darum geht Boote zu bestellen, mit den Kindern zu sprechen oder vielleicht auch an der Börse zu spekulieren – Hauptsache, das Auto fährt dabei.
Ansonsten kommt man recht flott bis kurz vor Abydos. Dort muss man die Autobahn verlassen und danach wird es abenteuerlich. Für die letzten 15KM bis zum Tempel braucht man über eine halbe Stunde, weil keine geteerte Straße zu diesem bedeutenden Tempel führt. Über eine unsägliche Schlaglochpiste, durch Dörfer in denen das Leben tobt und Felder, wo sich die Eselkarren ballen schlängelt man sich seinen Weg nach Abydos. Wir konnten so einen wunderbaren Einblick in den Mikrokosmos des ägyptischen Dorflebens genießen
Das Lied der ägyptischen Straße ist eine wilde Mischung aus Muezzin, lauten Menschen, die in Handys brüllen, hupen und allgemeines Geschrei zu allen wichtigen Themen des Tages.
Abydos – Pilgerstätte des Gottes Osiris
Nach so viel Lärm empfing uns Abydos mit Stille. Kein Wunder – es waren außer uns faktisch keine anderen Touristen da. Außer einer ägyptischen Mädchengruppe – für die wir fast die größere Attraktion waren. Jede wollte schnell noch ein Selfie mit uns machen. So wird man in kurzer Zeit zu einem gefragten Star 😉
Zurück zum Tempel. Es war richtig angenehm, in Ruhe durch die Säulenhallen zu wandeln und viele neue unbekannte Szenen zu entdecken. Da der Tempel komplett mit Dach kommt und deshalb auch weniger beleuchtet ist, hinterlässt er einen viel mystischeren Eindruck und man fühlt sich in wie damals gewünscht am Eingang ins Totenreich. Uns haben vor allem die feinen Reliefs begeistert , die auch an vielen Stellen noch komplett farbig waren. Außerdem ist Abydos auch berühmt für die Königsliste. Für Ägyptologen ein Glücksfall – so wussten sie endlich ganz genau welche Pharaonen es in welcher Reihenfolge bisher gegeben hatte 😉
Nach diesem ruhigen Erlebnis stürzten wir uns wieder ins wilde Dorfleben. Dabei lernten wir, dass auch auf dem Esel telefoniert werden muss. Insgesamt kann ich nur sagen – ich habe bisher in keinem Land so viele Esel gesehen wie in Ägypten – die sind hier für jede Art von Transport voll integriert.

Dendera – reicher Bilderschatz Hathors
Also ging es zurück Richtung Luxor, um den zweiten Tempel zu besichtigen, das Hathor-Heiligtum in Dendera. Obwohl es deutlich näher an Luxor ist waren auch dort die Mengen an Touristen sehr übersichtlich. So konnten wir in aller Ruhe diesen riesigen Tempel entdecken. Besonders beeindruckend sich auch hier die vielen Reliefs, auf denen es so viele verschiedene Darstellungen zu entdecken gibt.
Hathor ist die Göttin der Fruchtbarkeit und vor dem Tempel gab es deshalb auch zwei Geburtshäuser, die speziell der Fruchtbarkeit geweiht waren – warum hier eine kleine Gruppe westlicher Frauen exzessiv gebetet haben – überlass ich jetzt mal eurer Fantasie
Das spannende bei diesem Tempel war auch, dass man hier auf verschiedenen Ebenen, den Tempel entdecken konnte. So gab es einen Prozessionsweg aufs Dach auf dem Würdenträger einen links und rechts nach oben begleiteten. Dort fand man dann einzigartige Darstellungen von Einbalsamierungen und Totenritualen. Aber nicht nur hoch hinaus, sondern auch in die Krypta durfte man hinabsteigen – durch ein winziges Loch erreichte man einen Gang mit vielen sehr beeindruckenden Reliefs
Dendera wurde sofort zu unserem Lieblingstempel, weil er so ungewöhnlich ist. Der Tempel ist für ägyptische Verhältnisse sehr jung – gerade mal 2500 Jahre aus der 30. Dynastie, aber das tut der Einzigartigkeit des Ensembles kein Abbruch. Hier gab es so viele Sachen zu entdecken, dass wir uns 2h durch jeden Winkel gearbeitet haben.
Danach musste sich unser Fahrer beeilen, um uns wieder rechtzeitig zurück nach Luxor zu bringen, bevor die Autobahn geschlossen wird. Auch wieder so eine Herausforderung, dass die Überlandstraßen nicht unbedingt nachts befahren werden dürfen – das hat bestimmt Gründe!
So, dass war Luxor – morgen geht es weiter Richtung Süden nach Assuan mit 2 Tempelstopps auf dem Weg!















































