Heute war unser Programm im Vergleich zum ersten Tag fast schon überschaubar. 2 Tempel, ein Museum, die langweiligste Prachtstraße der Welt und ein bisschen die Welt von oben betrachten. Trotzdem mussten wir wieder einmal früh raus – sehr früh. Unsere Abholzeit für unser erstes Abenteuer des Tages war 5 Uhr!
Ballon fahren – Faszination und Geduldsproben.
Ballon fahren gehört eindeutig zu den Must Items eines Urlaubs in Luxor. Dieses Erlebnis wird vor allem rund um den Sonnenaufgang angeboten und deshalb muss man früh starten. Und ja, es ist auf jeden Fall ein einmaliges Erlebnis – aber man sollte auf jeden Fall eine gehörige Portion Geduld mitbringen. Sonnenaufgang ist um halb 7 – deshalb kam uns der Start um 5 Uhr schon recht früh vor – aber was wissen wir schon vom Ballon fahren 😉
Unser Minibus stand auch pünktlich vor der Tür und los ging es für 5 Minuten bis zum Sammelplatz aller Minibusse von Luxor. Dort durften wir dann im Bus erst einmal über eine halbe Stunde warten. Danach waren wir alle versammelt und auf Kommando macht sich der Schwarm Minibusse in halsbrecherischem Tempo in Richtung Tal der Könige auf den Weg. Zu diesem Zeitpunkt gibt es scheinbar nur noch Einbahnstraßen und aus 2 Spuren werden bedarfsorientiert 4-5 Spuren. Gegenverkehr wird einfach in den Graben gehupt.
Nach weiteren 20 Minuten kommt man dann am Startplatz an und das Warten beginnt von neuem. Je nach Aufsichtsperson liegt es am falschen Wind, oder doch am Morgendunst oder wer weiß was für Gründe es noch gibt. Auf jeden Fall gibt es den fliegenden Händlern genug Zeit, uns alles mögliche anzubieten – inklusive Baby Adler – sprich Falken, mit denen man sich fotografieren lassen soll!
Dann wird es hektisch. Ein Mini Luftballon wird fliegen gelassen und alle schauen gebannt, ob er in die falsche Richtung treibt – das ist High-Tech vom Feinsten. Aber keine Angst, das Ganze ist wirklich sicher, die Leute wissen schon was sie tun – das Ganze wirkt zwar chaotisch – aber die Piloten sind offiziell lizensiert und das Ganze wird von der zivilen Luftfahrtbehörde überwacht. Nachdem der Ballontest positiv war, wurde es schon wieder hektisch und auf dem gesamten Platz wurden die erste Runde von Ballons aufgeblasen und die ersten Passagiere machten es sich im Korb gemütlich – hier sprechen wir nicht von Körbchen sondern riesigen Körben, in den 24 Leute Platz haben. Wenn die erste Runde Ballons in der Luft sind kommt auch schon der nächste LKW mit dem nächsten Korb und weiter geht es, und so werden nach und nach jeden Morgen in kurzem Abstand über 50 Ballons in die Luft gebracht.
Wir waren in Runde 2 dabei – deutlich nach Sonnenaufgang, aber nur 2 Stunden nach unserer Abholzeit. Mit einer bunten Mischung aus Asien und Europa ging es mit unserem Piloten in die Höhe. Und jetzt wurde es ein wirklich einmaliges Erlebnis – fast eine Stunde schwebten wir über den Tälern und Tempeln westlich des Nils. Unser Pilot machte einen sehr routinierten Eindruck und wir konnten das Erlebnis in vollen Zügen genießen. Aus der Vogelperspektive konnte man die ganzen Tempel noch besser erkennen und die Größe dieser bedeutenden Anlagen noch besser erfassen. Auch der Blick über die Zuckerrohrfelder war beeindruckend. Einen geeigneten Landeplatz zwischen den Stromleitungen zu finden dauerte etwas, und so kamen wir noch länger in den Genuss des Fliegens. Insgesamt ein wirklich eindrückliches Erlebnis.
Karnak – Säulen für die Ewigkeit
Nach diesem ersten Highlight ging es erst einmal zurück ins Hotel – Frühstücken! Aber wir hatten ja auch noch andere wichtige Sachen zu besichtigen. Die Tempel auf der Ostseite des Nils und hier natürlich allen voran Karnak. Karnak ist die größte Tempelanlage Ägyptens. Über 1500 Jahre hat hier ein Pharao nach dem anderen den Bau erweitert und nach seinem Vorlieben gestaltet – so entstand ein 30 Hektar großes Areal, in dem es viele Highlights zu entdecken gibt.
Für mich persönlich am beeindruckendsten: die Hypostylhalle mit 134 gewaltigen Säulen. Die Säulen sind dickbauchig, über 20m hoch und auf jeder sind bis heute noch unzählige farbige Reliefs zu entdecken, die die Stadtgötter Luxors Amun, Mut und Chonsu zeigen. Es ist beeindruckend, zwischen diesen 3000 Jahren alten Säulen zu wandeln und immer wieder etwas neues zu entdecken.
Auch sonst ist der Tempel unheimlich beeindruckend. Riesige Eingangstore – Pylonen genannt, der mit 30m Höhe höchste Obelisk Ägyptens, ein heiliger See, ein glücklicher Skarabäus und und und! Also für Unterhaltung war auf jeden Fall gesorgt.
Die Sphinxallee – die wohl langweiligste Prachtstraße der Welt
Von Karnak zum Luxortempel führt eine 2,5km lange Prachtstraße, die im Altertum links und rechts von Sphinxen geschmückt war. Laut diesem Internet gab es in den letzten Jahren große Anstrengungen, diese Prachtstraße wieder herzurichten und es sei eine beeindruckende Wanderung, um von K nach L zu kommen. Leider ist das aber nicht so. Zwar ist die Prachtstraße heute komplett freigelegt und kreuzungsfrei begehbar. Nur leider besteht sie aus Staub, Dreck, Abfall und kaputten Steinen und sehr sehr wenigen Sphinxen – von unser Seite bleibt zu sagen – eher Nein! Vor allem ist es selbst bei 20 Grad immer noch eine schweißtreibende Angelegenheit, weil Schatten hier nicht vorkommt.
Luxor Tempel – vor allem Nachts beeindruckend
Nach Karnak fällt der Luxor Tempel schon ein bisschen ab. Aber jeder andere Ort würde sich freuen, eine solche Sehenswürdigkeit zu haben. Beeindruckend sind hier vor allem die kolossalen Statuen, die wieder einmal zeigen, wie monumental in Ägypten im Altertum gedacht wurde und welche großartige Steinmetze hier gelebt haben müssen. Zu empfehlen ist es, den Tempel bei Nacht zu besichtigen. Wir haben ihn nur von außen gesehen – aber schon von der Straße hat der Tempel mit dieser Beleuchtung etwas magisches.
Luxor Museum – mal wieder warten!
Nach diesen beiden Tempeln hatten wir ja nur noch das Museum auf dem Programm. Leider haben die von 13Uhr bis 17Uhr Mittagspause, und so mussten wir eine willkommene Zwangspause in unserem Besichtigungsmarathon einlegen,. Unweit des Luxor Tempels fanden wir eine schöne Dachterasse mit gutem Essen, kalten Getränken, Kaffee und gemütlichen Sitzmöbeln, um hier 2h zu überbrücken.
Kurz kam uns der Gedanke, ob wir das Museum weglassen sollen, aber zum Glück haben wir uns doch entschieden, es noch anzuschauen. Es ist wirklich nicht sehr groß und in einer Dreiviertelstunde hat man alles gesehen, was es im Angebot gibt. Aber einige der Ausstellungsstücke sind schon sehr besonders und sehr beeindruckend. Es ist auf jeden Fall eine Empfehlung!
Schlussgedanken
Wir hatten einen wirklich schönen Tag. Wir gewöhnen uns langsam daran, dass uns ständig jemand ein Kamel, eine Kutsche, ein Taxi oder ein Boot anbieten will. Auch das Sicherheitspersonal in den Tempeln ist nur dazu da, für ein kleines Bakschisch einem eine von ihm selbst abgesperrten Bereich zu zeigen. Meistens kann man damit ganz gut umgehen, aber gegen Abend, wenn man nur noch auf sein eigenes Boot auf die andere Nilseite wartet und man unterwegs so viele neue Freunde mit Booten, Taxis und Krimskrams findet, ist man doch mal wieder froh, ein paar Minuten zu Hause in Ruhe einen klaren Gedanken zu finden.
Allerletzte Frage
Warum müssen Menschen von einer verregneten Insel, in einem vollen Ballon den Piloten fragen, ob sie hier rauchen dürfen? Das Augenrollen des Piloten konnte man fast schon hören 😉
Jetzt aber Schluss – morgen machen wir einen Tagesausflug zu weiteren Tempeln – da kennen wir nix.
Doch noch ein PS: heute haben wir so richtig Probleme mit dem Internet, also fehlen ein paar Bilder aus dem Museum und vom Luxor Tempel bei Nacht. Wir versuchen, nachzuliefern!








































Hallo Attila,
mit deinen Berichten und den ausgewählten Bildern zeichnest du ein sehr anschauliches Bild eurer Erlebnisse. So viele Jahrtausende Hochkultur in wenigen Tagen zu erkunden, verlangt wahrhaft eine nahezu übermenschliche Konstitution. Respekt vor eurem Programm! Angesichts der übergroßen Anzahl von Sehenswürdigkeiten kann ich nachvollziehen, wie anstrengend es ist, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, das Programm durchzuführen und dann auch alles aufzunehmen und zu verarbeiten.
Ich hoffe für euch, dass das Hotel so viel Ruhe und Komfort bietet, dass ihr euch über Nacht entsprechend erholen und neue Kräfte sammeln könnt für alle Aktivitäten des nächsten Tages.
Danke für den Blog und herzliche Grüße aus München
Hallo Ballonfahrer!
Eine gute Idee mit einem Ballon diese antiken Anlagen von oben anzusehen. Man kann dabei die ganze Umgebung sehen. Ich kann mir denken, dass es ein sehr beeindruckendes Erlebnis für euch war.
Wenn man so viel wundervolle Kunst an einem Tag erlebt, kann man sich kaum vorstellen, dass es noch Steigerungen geben kann, aber in Ägypten ist alles möglich.
Ihr habt eine gute Jahreszeit gewählt. Es ist nicht heiß und es ist auch noch nicht überlaufen.
Ihr habt schöne Bilder ausgewählt, manche Motive habe ich auch auch im Album, z.B. den steinernen Skarabäus.
Wir wünschen euch weiterhin viele schöne und interessante Erlebnisse.
Herzliche Grüße aus Neuenstadt