Port Louis – Hauptstadt der Kulturen

Port Louis – Hauptstadt der Kulturen

Für unseren ersten ganzen Tag auf der Insel hatten wir einen Ausflug in die Hauptstadt geplant. Auf dem Programm stand eine Tour mit Streetfood, Streetart und Geschichte der Insel. Natürlich ging es erst einmal 25km von Flic on Flac über spannende, Google Maps unbekannte Straßen, ein Stück nach Norden in die Hauptstadt Mauritius. Mit gerade einmal 150.000 Einwohner ist sie eher etwas überschaubarer – aber den Verkehr einer Großstadt hat sie schon ganz gut drauf 😉

Zum Glück startete unsere Tour an der Waterfront, dem touristischen Zentrum der Stadt. Deshalb gab es auch einen großen Parkplatz für unser kleines Gefährt – die Parkgebühr von 1,5 Euro für einen halben Tag ist dabei auch sehr fair. Damit wir für den Tag fit und wach waren, gab es erst einmal einen großartigen Flat White bei Cafe´ Lux . So gestärkt ging unsere Tour mit unserem Guide mit dem ersten Kulturteil los.

Aapravasi Ghat – World Heritage Site

Ein kleines Museum, um an die Besiedelung der Insel mit hauptsächlich Indischen Vertragsarbeitern zu dokumentieren. Hierzu noch einmal ein kleiner Ausflug in die Geschichte. Die Insel war wie gesagt ursprünglich nicht besiedelt, aber von strategischer Bedeutung, da sie als „Tankstelle“ für Schiffe von Indien auf dem Weg Richtung Kap der guten Hoffnung sehr gut genutzt werden konnte. Also warum hier nicht auch gleich Zuckerrohr anbauen und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?

Nächstes Problem – wir haben ja gerade 1830 die Sklaverei abgeschafft – also wo kriegen wir dann die Arbeiter her? Hmm, die Schiffe kommen ja sowieso aus Indien – also wie schaffen wir es, von dort ein paar Leute „freiwillig“ mitzunehmen? Und so erfanden die Engländer das System der „identured labour“. Du verspricht den Leuten für die Überfahrt, Unterkunft, Essen und ein kleines Taschengeld ein besseres Leben auf Mauritius. Mauritius diente hierbei als „The Great Experiment“, um hier auszutesten, ob dieses System der Schuldarbeit funktioniert – und was soll ich sagen: für die Engländer war das ein tolles Geschäft – knapp eine halbe Million dieser identured labourers wurden in knapp 70 Jahren aus Asien nach Mauritius geschippert. Da der Erfolg schnell sichtbar war, wurde dieses Experiment auf andere englische Kolonien von Barbados bis Fiji übertragen.

Überraschend war, wie wenig kritisch das Museum mit diesem System umging und es nur an wenigen Stellen ein bisschen in Frage stellte. Weil, sind wir ehrlich, so weit weg von einer Leibeigenschaft war das System wahrlich auch nicht – aber was soll’s – Geschichte wird von Siegern geschrieben 😉

Auf jeden Fall ist das der Grund, warum der Hauptteil der Bevölkerung indische Wurzeln hat. Ansonsten kam aber die herrschende Klasse bis 1968 aus Europa. Aus diesem Grund ist die Amtssprache auch Englisch. In den Medien und im Handel wird aber immer noch Französisch als wichtigste Sprache angesehen. Auch die Ortsnamen sind alle immer noch französisch. Darüber hinaus spricht der Großteil der Bevölkerung einen eigenen kreolischen Dialekt und oft noch eine Muttersprache – also die lernen hier bis zu 4 Sprachen gleichzeitig als Kind – Respekt! So genug mit trockener Geschichte – her mit dem Essen 😉

Streetfood

Unsere Tour führte uns zu indischen Süßigkeiten, muslimischen Falafel und Samosas, kantonesischen Dim Sum und zum Abschluss noch Früchte vom zentralen Markt und ein paar indische Rotis. Alles in winzigen Läden mit freundlichen Standbesitzern und unheimlich viel Geschmack. Ich fand vor allem die Dim Sum sehr einzigartig, und man merkte sowohl die kantonesischen Wurzeln als auch die lokalen Einflüße in dem Gericht.

Zum Abschluss gab es noch eine lokale Spezialität ein Milchshake namens Alouda. Der besteht aus Basilkumsamen, einem Fruchtgelee, Milch und Vanilleeis. Eine sehr erfrischendes Erlebnis, und dank der Basilikumsamen scheinbar sehr verträglich für den Magen.

Streetart

Das nächste Highlight waren die vielen tollen Gemälde, die man überall entdecken konnte. Neben der lokalen Tier- und Pflanzenwelt standen vor allem Anime und chinesische Drachen hoch im Kurs. Insgesamt sehr viele sehr schöne Motive.

Alles andere 😉

Natürlich war das nicht alles was wir erlebt haben. Wir durften auch noch eine Moschee besichtigen, einen Konfuziustempel bestaunen und natürlich zum Schluss noch hundertjährige Banyan Bäume im Park bewundern.

Ansonsten haben wir uns heute zum ersten Mal ins Wasser getraut, aber es war relativ windig und mit 25 Grad schon etwas kalt – deshalb war die erste Begegnung eher ein kurzes Vergnügen – morgen werden wir das Experiment weiter vertiefen. Auf jeden Fall ist es schön zu sehen, wie viele Einheimische hier in voller Klamotte im Wasser stehen und einfach Spaß haben.

So, bei uns geht es jetzt noch einmal raus Sonnuntergang gucken- Streetfood zum Abendessen finden und anschließend mit Ananas, Banane und Melone den Abend ausklingen lassen.

Mal sehen, ob das Wetter morgen zum Wandern geeignet ist, oder ob wir alternativ Programm brauchen – bis morgen!

One thought on “Port Louis – Hauptstadt der Kulturen

  1. Hallo Sonja, hallo Attila,
    ich bin fasziniert von den zum Teil gigantischen Wandgemälden. So könnte man bei uns hier auch manche hässliche Fassade unsichtbar machen.
    Diese hundertjährigen Bäume finde ich besonders sehenswert. Sie strahlen eine Art Würde aus.
    Das Essen sieht sehr gut aus und scheint euch gut zu schmecken. Vorsicht, bestimmt hat es auch viele Kalorien, die versuchen werden, mit euch nach Europa zu reisen.
    Trotzdem lasst es euch gut gehen und genießt euren Urlaub.
    Herzliche Grüße !!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner