Sark – Sturmerprobter Feudalsitz

Sark – Sturmerprobter Feudalsitz

Die Aussage ist heute nicht mehr ganz so richtig – aber Sark war wirklich die letzte Feudalherrschaft Europas und führte erst 2008 die Demokratie ein. Die Idee mit der Feudalherrschaft hatte Elisabeth I. Sie unterteilte die Insel in 40 Parzellen für 40 Feudalvasallen, die von einem Seigneur – sprich Lehnsherr – regiert wurden. Diese 40 Grundbesitzer bildeten das Parlament und so war die Insel für 450 Jahre in Privilegierte und ungewaschenes Volk eingeteilt. Den Seigneur gibt es immer noch – aber das Parlament wird heute von allen Bewohnern gewählt! Das sind auch nicht so viele – im Moment so ca 600 ständige Bewohner.

Anreise

Von Guernsey verkehrt ein regelmäßiger Fährdienst, der 2- 3 Mal am Tag die beiden Inseln verbindet. Die Fahrt dauert ca 45 Minuten. Diese können bei Sturm und Regen auch sehr lang werden Natürlich war bei uns nur Windstärke 6 angesagt und so wurde die Hinfahrt ein sehr wilder Ritt – da wussten wir aber auch noch nicht, was uns auf der Rückfahrt erwarten wird.

Besichtigungsprogramm

Trotz der sehr schlechten Wettervorhersage beschlossen wir, die Reise nach Sark zu wagen in der Hoffnung, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm wird und wir ein paar regenfreie Minuten erhaschen können. Sagen wir mal so – wir hatten eine interessante Zeit auf Sark – aber Regen und Wind kosteten schon viel Kraft, so dass wir am Nachmittag recht erschöpft auf die Fähre gingen, um den nächsten wilden Ritt mitzuerleben.

Aber der Reihe nach. Die Insel ist komplett autofrei, Transport sind Traktoren, Fahrräder und elektrische Rollstühle. So wird man vom Hafen den steilen Berg hinauf mit einem Traktoranhänger befördert, um dort am Anfang der Hauptstraße ins Inselidyll abgeladen zu werden. Sprich als wir ankamen, waren außer ein paar Tagesausflüglern noch niemand da – fast alle Cafés hatten noch zu und so waren wir froh, dass zumindest eines uns Schutz vor dem ersten Regenguss gab.

La Seigneurie Garden

Frohen Mutes holten wir dann unsere Elektroräder ab und machten uns auf den Weg zur Hauptattraktion der Insel, dem Seigneurie Garden, die Gartenanlage des Feudalherren der Insel. Der Garten hat uns richtig gut gefallen und Wanderer, kommst Du nach Sark solltest du diesen Garten unbedingt besuchen. Hier wurde mit viel Liebe, einem Auge fürs Detail und jeder Menge Arbeit ein herrliches Refugium geschaffen. Vor allem der ummauerte Garten bietet Zeit und Raum für spannende Entdeckungen.

La Coupé

Da der nächste Regenguss in Aussicht stand, machten wir erst einmal Station zum Mittagessen – dann ging es in den Süden der Insel. Hier verbindet ein schmaler Isthmus Sark mit Little Sark. Bei tosendem Sturm auf diesem engen Weg zwischen zwei Abgründen zu stehen ist auch ein einmaliges Erlebnis. Auch hier eine absolute Empfehlung. Auf dem Weg Little Sark mit dem Fahrrad zu erkunden, riss an meinem E-Bike die Kette und wir mussten den Rückweg antreten. Der Verleiher brachte uns ein Ersatzbike aber war sehr davon überzeugt, dass es mein Bedienfehler war, der die altersschwache Kette zum Reissen brachte – egal, mit neuem Fahrrad ging es also wieder auf die Hauptinsel. Ich hoffe, unsere Bilder hiervon können einen kleinen Einblick davon geben, wie beeindruckend diese Wegeführung hier ist.

Gartenkunst

In Großbritannien ist so etwas wie ein Nationaler Gartentag und neben den üblichen Parks und Gärten öffnen auch Privatleute ihre Gärten. Auf Sark hatten wir gelesen, dass ein Hotel und B&B seinen Garten öffnet und da wollten wir doch mal sehen, was es da so besonderes gibt. Was soll ich sagen – das war wirklich beeindruckend. Ein riesiges Areal für alles, was das Herz begehrt. Blumen, Gemüse, Kräuter, Obst und sogar Honigbienen. Ein Permakultur Garten und Gewächshäuser für Tomaten. Danach gab es noch in der Küche des Hauses Kaffee und Kuchen – alles für eine Spende für einen guten Zweck.

Rückfahrt

Nach soviel Aufregung, Sturm und Regen wollten wir nach 8h auf der Insel doch langsam nach Hause und hofften, dass die Rückfahrt etwas entspannter wird – das war nicht so. Es war noch stürmischer und wilder. Die Brecher schlugen das eine oder andere mal komplett über das kleine Schiff und es wurde zu einer Achterbahnfahrt durch tiefe Wellentäler. Irgendwie schafften wir es trotzdem, durch den Sturm zu kommen und waren froh, wieder zu Hause zu sein.

Abendgedanken

Für heute Abend steht noch etwas Essen an, dann packen. Morgen geht es dann schon wieder zurück nach London, wo wir noch eine Übernachtung haben – bevor uns München wieder hat.

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