Heute stand unser letzter großer Road Trip an. Gute 3,5h von Aswan nach Abu Simbel und die gleiche Zeit zurück. Nach den Erfahrungen unserer letzten Fahrten waren wir schon gespannt, was uns heute für Abenteuer erwarten würden. Zum Glück war das Mango Guest House kulant genug, um uns kurz vor 7 ein komplettes Frühstück auf den Tisch zu zaubern, so dass wir gestärkt diesen Marathon angehen konnten. Wie gestern mussten wir natürlich wieder die Fähre runter von der Insel nehmen und auf der anderen Seite wartete schon unser Fahrer auf uns.
Hinfahrt – Schleichwege und Google Translate
Kaum waren wir aus Assuan raus, fing unser Fahrer an spannende Straßen und Wege einzuschlagen, die uns durch die Sandwüste, Müllhalden und militärisches Sperrgebiete führte. Was war geschehen? Nun, nach Auskunft unseres Fahrers musste er einen Checkpoint umfahren, weil die Polizei immer nur 10 Autos auf einmal im Konvoi auf die Wüstenstraße schickt. Wir hatten sowas auch schon mal gelesen, aber …. egal, unser Fahrer war zufrieden und wir wieder auf dem endlosen Band durch die Wüste.
Abu Simbel ist knapp 300km eintönige Straße von Aswan entfernt. Unser Fahrer nutzte die Zeit, um uns Hintergrundwissen via Google Translate über die Begrünung der Wüste zwischen den beiden Orten zu vermitteln. Dank dem Wasser aus dem Nassersee, das durch riesige Kanäle in die Wüste gepumpt wird, sind erste Flächen entstanden, auf denen Obst und Gemüse für den Export angebaut werden. Für die Zukunft soll hier auch jede Menge Weizen angebaut werden, um die Abhängigkeit von Importen zu minimieren.

So schaukelten wir mit einer Toilettenpause recht entspannt nach Abu Simbel. An der Raststation trafen wir noch einen Souvenirhändler, der mal wieder perfekt deutsch sprach und sich als Wolfgang vorstellte. Sachen gibt es da draußen! Die anderen nennen sich Tom Cruise oder Rambo und er Wolfgang – lustig. Außerdem stellten wir fest, dass unser Fahrer ein ausgeprägtes Helfersyndrom hat, was auf der Rückfahrt noch zu interessanten Situation führte.
Die Tempel von Abu Simbel
Wenn wir von den Tempeln in Abu Simbel sprechen, fallen einem immer die 4 riesigen Statuen von Ramses II. am Eingang ein und natürlich die Verlegung der Tempel in den 60er Jahren, um sie vor den Fluten des Stausees zu schützen. Beides ist wirklich faszinierend, aber der Tempel hat auch im Innern sehr viele tolle Statuen und Reliefs zu bieten. Besonders interessant ist, wie kriegerisch die Szenen in diesem Tempel sind. Jede Wand zeigt Bilder, wie Ramses II. seine Feinde in den Staub zwingt und er mit seinem großen Streitwagen alle Gegner besiegt – sehr martialisch. Auch die Mengen an Statuen von ihm lassen doch einen gewissen Komplex erkennen.
Da ist der zweite kleinere Tempel zu Ehren seiner Frau Nefertari und Hathor völlig gegensätzlich. Hier geht es viel mehr um Fruchtbarkeit und Leben. Besonders zu erwähnen ist, dass bei den Statuen vor dem Tempel er und sie gleich groß sind. Das ist normalerweise nicht üblich, der Pharao ist immer wichtiger als die Frau. Das deuten die Gelehrten so, dass er seine Frau wirklich als ebenbürtige Partnerin gesehen hat.
Die Lage am Nil ist natürlich einzigartig und es ist nicht verwunderlich, dass viele Touristen sich auf den langen und beschwerlichen Weg hierher machen, um die Tempel zu besichtigen. Die meisten Touren starten recht früh, um der Mittagshitze zu entgehen. Da wir aber im tiefsten Winter hier waren, konnten wie es uns leisten, später anzukommen und ein paar weniger Touristen vor Ort zu erleben.
Rückfahrt mit Polizeischutz
Hatte ich erwähnt, dass unser Fahrer ein Helfersyndrom hat? Also kaum waren wir in Abu Simbel losgefahren, fragte er ganz höflich, ob er einen Freund (Polizist) mitnehmen darf, der seinen Zug in Aswan erreichen muss, um seine Familie in Kairo zu besuchen. Da konnten wir schlecht nein sagen – und so setzten wir uns mit Polizeischutz 😉 in Bewegung. Ansonsten verlief der Rückweg relativ ereignisarm.
Assuanstaudamm
Kurz vor Assuan fragten wir unseren Fahrer, ob er noch einen Abstecher zum Staudamm machen könnte – gesagt, getan. Und so kamen wir auf die letzten Meter doch noch dazu, den Staudamm aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Diesen Riesenstaudamm Ende der 60er da hinzubauen war eine übermenschliche Leistung. Über 400 Menschen sind beim Bau ums Leben gekommen. Aber die Ziele für den Damm wurden erreicht. Bessere Regulierung des Flusses – Sicherheit in Trockenzeiten und Abwehr von Hochwasser, mehr Anbauflächen für die wachsende Bevölkerung und natürlich Strom, der damals fast 50% des Strombedarfs von Ägypten deckte.
Hatte ich Helfersyndrom schon erwähnt – schon, oder? Natürlich fand unser Fahrer noch jemand auf dem Damm, der mit seinem Auto liegen geblieben war und leistete erste Hilfe. Zwar war da wenig Chance. alle platten Reifen wieder hinzukriegen und außerdem werkelte da schon die Polizei, das Militär und und und mit aber ohne unseren Fahrer ging da gar nix 😉 Natürlich alles ein bisschen unter Zeitdruck, weil der Damm ab 17 Uhr geschlossen wird und es schon 10 nach 5 war. Egal – das Militär schleuste uns durch den letzten Spalt raus und endlich gegen halb 6 neigte sich der Tag dem Ende entgegen.
Ausklang und Ausblick
Nach dem langen Tag gingen wir direkt von der Fähre zu King Jamaica zum Abendessen. Heute freuten wir uns darauf, wieder Tagine zu Essen. Tagine sind verschiedene Variationen von Eintöpfen im Tongefäß geschmort. Meist gibt es sie zusammen mit Reis, Salat, Suppe, Tahin. Und heute war es definitiv besonders gut – das Restaurant ist echt zu empfehlen!

Morgen stürzen wir uns dann in den Wahnsinn namens Cairo / Gizeh – mal sehen, wie es in echt dann wird! Ab morgen Abend gibt es hoffentlich Pyramidenbilder!




























Hallo ihr 2 Tempelbesichtiger,
wenn man den vor den Fluten des Nils geretteten und präzise wieder aufgebauten Tempel bestaunt, muss man auch den Verursacher dieses Tempelumzuges kennen lernen: den Staudamm!
Es ist ja nicht irgendein Staudämmchen, es ist ein Staudamm, der viele Menschenleben gekostet hat, aber vielen Menschen heute, ein besseres Leben bietet. Er wird von den Ägyptern genauso verehrt wie ihre Tempel oder ihre Pyramiden. Für sie ist er ein neues Wunder!
Viele Grüße und hoffentlich noch viele schöne Überraschungen !!