Wie gestern angekündigt stand heute das letzte große Highlight auf dem Programm – das Grand Egyptian Museum. 10 Jahre haben wir darauf gewartet, dass dieses neue Museum endlich seine Pforten öffnet. Die Planung und Umsetzung des Museums war ähnlich komplex wie mancher deutsche Bahnhof, oder Flughafen. Die Grundsteinlegung war vor über 20 Jahren und seitdem wurstelt sich das Museum seiner Eröffnung entgegnen. Theoretisch ist der Bau und die Inneneinrichtung seit fast 10 Jahren fertig und seitdem wurde die Eröffnung für jedes Jahr zumindest in Aussicht gestellt. Im Herbst 2025 war es dann wirklich soweit und mit viel Tam Tam wurde das Museum der Öffentlichkeit übergeben.
Und seit dem ersten Tag ist es ein voller Erfolg – das Museum ist jeden Tag randvoll gefüllt und nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische kommen hierher, um das größte archäologische Museum der Welt zu bestaunen.
Tutanchamun Ausstellung
Das größte Highlight des Museums ist die komplette Präsentation der Ausgrabung des vollständig erhaltenen Königsgrabs von Tutanchamun. 5398 Artefakte werden thematisch gegliedert auf einer Fläche von über 7000 m² ausgestellt. Star dieser Ausstellung ist natürlich die Totenmaske aus purem Gold, die jeder Besucher möglichst als erstes sehen will.
Da werden die über 60 Statuen auf der großen Treppe links liegen gelassen und der Ramses II in der Eingangshalle nur mit einem Augenaufschlag bedacht. Alles drängt und stürmt zu der Maske ;-). Und ja, die Maske ist wirklich einzigartig, aber die ganze Pracht der Grabbeigaben übersteigt jede Vorstellung. Besonders beindruckend ist, wie die Mumie an sich geschützt war. Klassisch war die Mumie in 3 ineinander gelegten Sarkophage eingepackt. Darum wurden 4 vergoldete Schreine auch wieder ineinander geschachtelt, wie bei einer russischen Matroschka. Jeder Schrein war natürlich noch einer anderen Schutzgöttin geweiht, und so geschützt wartete der Pharao auf das Leben nach dem Tod.
Worte und Bilder können den Reichtum dieses umfassenden Schatzes kaum beschreiben. Es gibt so viele verschiedene Artefakte zu entdecken. Von kleinen Statuetten bis hin zu Streitwagen und Bootsmodellen. Auch Alltagsgegenstände und ein Vesper waren mit dabei. Auf jeder Amphore Wein steht akribisch der Jahrgang und aus welchen Weinberg er kommt – und natürlich, dass es der beste Wein überhaupt war.
Es ist faszinierend, diesen Wechsel zwischen Prunk, Alltag und Essen an jeder Ecke auf seine eigene Weise zu entdecken. Da findet sich eine riesige Sandalenkollektion, die nicht unähnlich heutigem Schuhwerk ist, neben Tongefäßen für Geflügel und natürlich noch unheimlich schön gefertigter Schmuck.
Eine gute Stunde in diesem Raum lässt einen sehr beeindruckt zurück. Dabei ist das ja erst der Anfang des Museums und in 12 weiteren Räumen warten weitere Schätze darauf, entdeckt zu werden. Zum Glück sind diese 12 Räume etwas kleiner – aber nicht minder interessant. Insgesamt warten also noch einmal 50.000 Objekte darauf, von den Besuchern gewürdigt zu werden
3000 Jahre ägyptische Geschichte in wenigen Stunden
Die restlichen Räume sind in 4 Epochen von der Prähistorie bis zur römischen Zeit unterteilt. In den jeweiligen Epochen wird dann immer zwischen Gesellschaft, Königtum und Glauben unterschieden. Ich möchte hier nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber man kann hier stundenlang durch die Hallen wandeln und immer wieder Neues entdecken. Von riesigen Statuen bis hin zu winzigen Objekten hat hier alles einen unheimlichen Charme und jeder findet hier etwas für sich, das ihn nachhaltig beeindruckt. Noch kurz zu den Bildern – nicht wundern, wenn manche von unseren Bildern etwas schräg wirken – das gehört so – musste man doch versuchen, die Spiegelungen und Menschenmassen durch geschickte Kameratechnik auszutricksen.
Zum Thema Menschenmassen – ja, so nach und nach füllte sich das Museum, und vor allem die riesigen Tourgruppen erschwerten einem das entspannte Genießen der Ausstellung. Leider müssen wir auch zugeben, dass nach 4h auch bei uns langsam der Speicher voll und der Akku leer waren.
Aufladen mit Falafel und Lasagne
Aus diesem Grund gingen wir langsam zurück in die Haupthalle, natürlich wieder die große Treppe runter, einzelne Statuen bewundern um schließlich wieder in der riesigen Haupthalle zu stehen. Hier gibt es nicht nur überdimensionierte Ramses Statuen, sondern auch mehrere Restaurants, einen Starbucks und mehrere ausgewählte Geschäfte.
Wir entschieden uns für das Familienrestaurant Bittersweet. Wir waren positiv überrascht, dass sowohl die Preise, die Qualität und die Freundlichkeit wirklich über jedem Standard waren. Wenn ich überlege, dass in jedem anderen Tempel der Türkische Kaffee 2,70 Euro kostete verlangten sie hier nur 1,80 Euro. So hatten wir ein sehr gutes, reichhaltiges Mittagessen und eine meiner besten Lasagnen der letzten Jahre – kein Witz. Die machen die hier nicht mit Hack, sondern mit geschmorten Fleischstücken, die auf der Zunge zergehen und die Bechamel war auch genau richtig – ein Träumchen.

Das Boot – das von Khufu sprich Cheops
So gestärkt gingen wir in das Nebengebäude, wo in einer riesigen Halle ein weiteres Highlight auf uns wartete. 1950 wurde bei Ausgrabungen vor der Cheops Pyramide ein fast vollständig erhaltenes Boot als Grabbeigabe entdeckt. Bis vor wenigen Jahren wurde das Boot direkt vor Ort an der Pyramide ausgestellt, bis es 2018 hierher in das neue Museum umgezogen wurde.
Es ist ein beeindruckendes Stück Geschichte. Es gilt als eines der ältesten erhaltenen Boote überhaupt und auch als einer der ältesten organischen Artefakte. Es ist schon beeindruckend, was die Ägypter vor 4500 Jahren auf die Beine stellten. Nicht nur Pyramiden konnten sie bauen – vielmehr bauten sie zu dieser Zeit Schiffe, die 44m lang und 12m breit waren. Alles in einer Zeit, wo wir noch damit beschäftigt waren herauszufinden, was für Beeren essbar sind und welche keine gute Idee sind.
Nach diesem noch einmal faszinierenden Erlebnis war aber endgültig Schluss und wir machten uns auf den Weg raus aus dem Museum und in die Arme der reichlich vorhanden Taxi Agenten, die mit feiner Weste und gegelten Haaren einen auf wichtig machten aber ehrlicherweise eher schmierig wirkten. Die ersten Preise waren natürlich viel zu hoch und es wurden die üblichen Ausreden gebracht, wie Verkehr, Straßen gesperrt, Polizei und und und. Alles für eine Fahrt von gerade einmal 4km und 10min.
Es ist schon bedenklich wenn der eine Agent zum anderen sagt, dass unser Gegenangebot ein fairer Preis ist und er sich nicht so anstellen soll 😉 Sprich unser Preis war immer noch doppelt so teuer wie nötig. Aber was solls – nennen wir es einfach Touristensteuer 😉
So, wir haben unseren Ägyptenplan im großen und ganzen umgesetzt bekommen und alle unsere 56 gemeinsamen Eintrittskarten ausgespielt – jetzt geht es morgen zurück nach Hurghada, wo wir 24 Stunden all-inclusive genießen bevor es zurück in den kalten Alltag von Deutschland geht.

































































