Nachdem wir gestern ja die Pyramiden von der Dachterrasse aus bestaunt haben, war heute der große Tag, das letzte erhaltene der 7 antiken Weltwunder aus der Nähe zu bestaunen. Da wir ja zum Glück um die Ecke vom Eingang übernachten waren es nach dem Frühstück nur wenige Minuten, bis wir im riesigen Freiluftmuseum angekommen waren.
Cheops und Meresankh – die Ruhe vor dem Sturm
Im letzten Jahr haben sie angefangen, den Zugang zum Plateau von Gizeh besser zu regulieren und ein neues Ticket Office gebaut. Leider ist die Sicherheitsschleuse immer noch aus den 60ern. Durch ein winziges Loch werden unzählige Menschen gepresst, die unter der Tür auf die unfreundlichsten Sicherheitsangestellten treffen, die wir bisher in Ägypten getroffen haben. Da werden Leute angeschrien, wenn sie nicht die richtigen Papiere haben und alles funktioniert völlig schroff. Fast schon, als ob sie die Leute abschrecken wollen, überhaupt hierher zu kommen.

Zum Glück waren unsere Papiere in Ordnung und wir wurden aufs Gelände geschickt. Dort herrschte morgens um 8 noch himmlische Ruhe. So hatten wir die ersten Minuten mit der großen Cheops Pyramide fast für uns allein. Es ist schon beeindruckend, wenn man zum ersten Mal vor diesem riesigen Steinmonument steht. Beim Bau vor 4500 Jahren war sie fast 150m hoch und damit das höchste Bauwerk der Welt und blieb es auch für fast 3800 Jahre, bis die ersten gotischen Kirchen ihre Kirchtürme in ungeahnte Höhen von fast 160m schraubten. Auch die weiteren Eckdaten der Pyramide sind so gewaltig, dass es einem unvorstellbar vorkommt, wie Menschen vor so langer Zeit ein solches Wunderwerk in nur 26 Jahren errichten konnten.
Stellt euch vor, wir müssten heute 2,3 Millionen Steinblöcke mit einem durchschnittlichen Gewicht von 2,5 Tonnen ohne moderne Maschinen nicht nur aufschichten, sondern auch exakt ausrichten. Ich glaube, dass würde nicht besonders gut funktionieren ;-). Auf jeden Fall ist es ein faszinierendes Erlebnis, im Schatten dieser großen Pyramide zu stehen.
Zusätzlich zu den Pyramiden hatten wir auch noch ein Ticket für das Grab von Meresankh III gelöst. Dieses Grab beinhaltet mit die besten und schönsten Reliefs in der Nekropole von Gizeh. Hier kann man viele interessante Arbeiten aus dem Alltagsleben entdecken, und auch die anderen Wandreliefs sind sehr einzigartig, weil sie auch Halbstatuen beinhalten, die frontal ausgerichtet sind.
Weitere Pyramiden von außen / innen und von Nahem und Weitem
Nach diesen sehr ruhigen und beschaulichen Eindrücken füllte sich das Plateau nach und nach mit Tourgruppen, die mit Bussen von Punkt zu Punkt geshuttelt wurden. Trotzdem war es uns möglich, bei jeder der 3 großen Pyramiden ein bisschen Ruhe und immer neue Blickwinkel zu finden.
Ein weiteres Eintrittsticket verschaffte uns Zutritt zu der kleinsten der 3 Pyramiden. Die Pyramide von Menkaure ist zwar die kleinste, aber war ursprünglich mit Granit aus Assuan verkleidet. Also mussten die Steinblöcke nur mehrere hundert Kilometer den Nil entlang geschippert werden, bevor sie hier zum Einsatz kamen – ein wahnsinniger Aufwand!
Auf jeden Fall kann man in diese Pyramide hinabsteigen und einen Blick in die Grabkammer werfen. Ein einmaliges Erlebnis – sehr anstrengend, weil steil, eng und niedrig, aber auf jeden Fall ein Erlebnis einmal in einer Pyramide gewesen zu sein!
Von dort aus nahm auch die Dichte an Kamelen, Pferden und Kutschen deutlich zu, weil von hier aus ein gutes Stück gelaufen oder gefahren / getragen werden muss, um die verschiedenen Aussichtspunkte zu erreichen. Da das Wetter mit 20 Grad recht angenehm war, entschieden wir uns, uns auf eigen Faust ins Gelände aufzumachen und uns selbst die besten Punkte zu suchen, von denen man aus die 3 großen und 6 kleinen Pyramiden erspähen konnte. Wir hatten Glück, dass sich die Dunstglocke über Kairo ein klein wenig lichtete und wir so nach und nach immer bessere Bilder von den Pyramiden, den Kamelkarawanen und der endlosen Wüste bekamen. Die Szenerie erinnerte an die Fantasiegeschichten aus dem Morgenland mit Beduinen, die durch den endlosen Sand ziehen. Spannenderweise wurden wir, sobald wir uns zum Laufen entschlossen hatten, kaum noch angesprochen, ob wir denn ein Kamel oder ähnliches brauchen. So war es für uns eine wirklich beeindruckendes Erlebnis, dass wir wirklich in vollen Zügen genossen.
Sphinx – alle wollen sie sehen
Bevor wir das Gelände nach 4h verliessen gehörte natürlich noch ein Abstecher zur Sphinx zum Pflichtprogramm. Leider hatten zu diesem Zeitpunkt auch viele andere Tourgruppen dieselbe Idee und so ging es rund um die Sphinx zu wie im Karneval. Trotz des beeindruckenden Abbilds wollte nicht dieselbe Begeisterung aufkommen, wie bei den Pyramiden. Aber trotzdem hinterließ auch diese letzte große Sehenswürdigkeit auf dem Plateau noch einmal einen nachhaltigen Eindruck.
Intermezzo bei Nino
Nach so vielen tollen Erlebnissen und den ganzen Kilometer brauchten wir dringend eine Stärkung. Dank Google hatten wir schon einen Platz gefunden: Ninos Sandwich Laden, der nur wenige Meter von unserem Hotel entfernt auf uns wartete. Und ich kann diesen Platz nur jedem ans Her legen. Nino ist der perfekte Gastgeber in seinem Imbiss und verkaufte einem das beste Chicken Shawarma Sandwich in der Kombi mit Salat, Chips, Tee und Wasser für unschlagbare 4,50 Euro – und das in Sichweite der Pyramiden. Wirklich eine Empfehlung!

To Uber or not to Uber – das ist hier die Frage
Für den späten Nachmittag hatten wir uns eine Foodtour durch den Basar gebucht. Natürlich muss man erst einmal hinkommen. Gut, dass es hier Uber gibt, und man deshalb ohne Probleme hinkommt. Das habt ihr jetzt nicht wirklich geglaubt, oder? Uber gibt es sehr wohl – aber nur für Einheimische. Für Touristen funktioniert es nach dem Motto, wir kommunizieren über Uber mit dir, aber verlangen einen astronomischen Preis und beleidigen dich, wenn du nicht bereit bist, abgezockt zu werden. Also stehst du vor der üblichen Problematik, ein überteuertes Taxi des Hotels, einen Halsabschneider von Uber, oder einen Gauner auf der Straße ansprechen. In allen 3 Fällen wirst du definitiv über den Tisch gezogen. Weil Taxifahren ist und bleibt aus meiner Sicht das unredlichste Gewerbe der Welt. Taxifahrer kannst du nur werden, wenn dir die einmalige Gewinnmaximierung im Vordergrund steht. Wir hatten uns für Variante 3 entschieden und immerhin nur den doppelten Uber-Preis bezahlt. Trotzdem hat der Fahrer natürlich am Ende der Fahrt neue Forderungen gestellt, die wir gewissenhaft ignoriert haben.
Streetfood Tour durch den Basar von Kairo
Die Fahrt dauerte recht lange, da Freitag ja Feiertag ist und so kurz vor Ramadan alles auf den Beinen war, um alles notwendige für den Fastenmonat vorzubereiten. Sogar unser Guide kam zu spät, weil er im Verkehr feststeckte.
Kurz zusammengefasst haben wir auf dieser Tour sehr viele tollen Sachen zum Essen bekommen. Das startete mit Falafel aus weißen Bohnen, Lamm Kebab, eine süße ägyptische Pizza, und ging weiter mit Koshari, gerösteter Süßkartoffel, einem Abstecher zu einer Bäckerei, um schließlich mit Reispudding zu enden.
Das ganze war im besten Sinne eine physische und psychische Belastungsprobe. Der Basar von Kairo ist laut, dreckig, voller Menschen und zu allem Überfluss rasen noch Mopeds und Transporter an den engsten Stellen durch die Menschenmenge. Trotz aller Herausforderungen war es eine großartige Erfahrung. Natürlich war es auch sehr gut, dass wir an diesem Tag die einzigen Teilnehmer waren. So war es nicht so schwierig, unserem Guide durch dick und dünn zu folgen.
Ein paar Highlights möchte ich doch hervorheben. Die Falafel waren wirklich mit die besten, die ich bisher gegessen habe. Wirklich fluffig und überhaupt nicht trocken. Der Lammkebab war sehr fein gewürzt und hatte den perfekten Röstgrad. Und natürlich die süße Pizza eher eine Art Blätterteiggebäck 😉
Weniger beeindruckt sind wir vom ägyptischen Nationalgericht Koshari. Um mit den unsterblichen Worten von Tim Mälzer zu sprechen – Ich versteh das Gericht nicht. Für alle, die Koshari nicht kennen. Das Ganze ist eine Mischung aus zerkochten Nudeln, Reis, Linsen oder Kichererbsen dazu eine Tomatensoße und Brotstückchen als Topping. Ja und genau so schmeckt es auch – also sorry da gibt es besseres zu essen in diesem Land!
Unser Nachtisch, den Reispudding kannte ich in dieser Form auch noch nicht, kein Vergleich mit türkischem Sütlac – eher eine Art Eiscreme auf Reisbasis – die es in süß oder leicht sauer gibt. Sehr spannend!
Unsere Taxifahrt zurück funktionierte zu einheimischen Preisen, da unser Guide sich die Zeit nahm, einen Fahrer für uns beauftragen – und oh Wunder, so instruiert wurden wir ohne Zwischenfälle nach Gizeh gefahren und der Fahrer bedankte sich überschwänglich für das großzügige Trinkgeld – wäre doch alles so einfach, oder?
So, der Worte sind genug geschrieben – wer mehr Informationen zu unser Foodtour möchte – oder zu den Pyramiden oder sonstige Wünsche hat, schreibt es einfach in die Kommentare. Morgen werden wir unser Ägyptenprogramm mit dem Großen Ägyptischen Museum abschließen. Tickets haben wir – einen Taxifahrer noch nicht – das wird morgen früh wieder spannend!

















































