Aswan – der Nil bestimmt das Leben

Aswan – der Nil bestimmt das Leben

Heute war unser erster etwas ruhigerer Tag in Ägypten. 7:00 aufstehen – gemütlich frühstücken, einen Tempel, einen Obelisken und ein Museum besichtigen und abends noch eine Felukka-Fahrt in den Sonnenuntergang – für unsere bisherigen Verhältnisse reines Wellnessprogramm 😉

Philae Tempel – unschlagbare Lage auf einer Nilinsel

Wir haben uns ja nicht in Aswan selbst einquartiert, sondern auf Elephantine Island, einer recht großen Nilinsel mit vielen Restaurants und Guesthouses und ohne Straßenverkehr. Es ist ein kleines, verschlafenes, staubiges Paradies und außer bellenden Hunden, trötenden Schiffen, krähenden Hähnen und dem unvermeidlichen Muezzin ist es hier angenehm ruhig! Um zum Philae Tempel zu gelangen braucht man erst einmal eine Fähre, dann ein Taxi und dann wieder eine Fähre. Auf dem Weg von der Insel kommt man an den ganzen Nilkreuzfahrtdampfern vorbei und an dieser Stelle lagen unglaubliche 9 Schiffe nebeneinander. Unvorstellbar, dass du durch bis zu 8 andere Schiffe laufen musst, um an Land zu gelangen. Also da kann ich mit etwas schöneres vorstellen. Unser Guest House hatte uns einen Fahrer organisiert und wie immer war die Idee für den heutigen Ausflug zwar mit irgendjemand im Guest House abgestimmt, aber seine Weisheit hatte er mit keinen anderen Menschen geteilt. Deswegen war unser Fahrer überrascht, dass wir nur zum Anleger vom Tempel wollen und keinen Ausflug zum Assuan Staudamm machen wollen. Im Gegenzug dachte er sich, ich verwirre meine deutschen Touristen, indem ich nicht zum offiziellen Fähranleger fahre, sondern sie an einem privaten Anleger meinem besten Kumpel ins Boot setze.

Auf jeden Fall schafften wir es nach diesen kleinen Missverständnissen wirklich bis zum Tempel. Was wir vorher nicht wussten ist, dass auch dieser Tempel – wie Abu Simbel – abgerissen wurde und auf dieser Insel neu aufgebaut wurde, um ihn vor der Überflutung zu schützen. Ein Mammutprojekt, das von 40 Nationen und unzähligen archäologischen Expeditionen umgesetzt wurde. Sowas war in den 70ern wirklich möglich – heute unvorstellbar.

Der Tempel selber ist durch seine Insellage einzigartig, und überall hat man wunderschöne Blicke auf den Nil. Der Tempel ist auch relativ jung und zeigt Übergänge zum römischen Reich und erste Frühchristliche Zeugnisse. Trotz einiger Tourgruppen konnten wir den Tempel recht entspannt genießen. Es blieb genug Zeit, sich die verschiedenen Darstellungen von Isis und Hathor im Detail anzuschauen. Auch den jungen Horus haben wir gefunden. Darüber hinaus findet man immer wieder Spuren von christlichen Kreuzen, die das Ankh in den Reliefs ersetzen. Insgesamt ein sehr schönes, stimmungsvolles Erlebnis, das wir mit einem teuren türkischen Cafe mit Blick auf den Nil ausklingen ließen. Dazu noch eine Handvoll Katzen und das Leben kann so angenehm sein.

Noch eine Anmerkung zum Schluss – auch in diesem Tempel fand sich eine kleine Gruppe von Frauen und Männern, die auf einer Tempelterasse ekstatische Tänze durchführten oder den Sonnengruß machten oder sonstige komische Dinge anstellten. Das Sicherheitspersonal war not amused und hat deren Reiseführer zusammengestaucht, dass seine westlichen Schafe sich benehmen sollen – also irgendwie können westliche Touristen schon seltsam sein.

Unfertiger Obelisk

Nachdem wir unseren Fahrer zum zweiten Mal davon überzeugen mussten, nicht zum Assuan Staudamm zu fahren, erreichten wir nur wenige Minuten später den unfertigen Obelisk. Hier hat man in einem alten Steinbruch einen Obelisken gefunden, der schon zum Großteil ausgemeißelt war, aber nicht abtransportiert wurde. Für die Wissenschaft ein einmaliger Fund, weil dadurch die Arbeitsweise der antiken Steinmetze besser zu verstehen ist. Auch für uns war es faszinierend zu sehen, wie dieser Granitsteinbruch funktioniert haben muss. Die Besichtigung dauert noch nicht mal eine halbe Stunde, ist es aber auf jeden Fall wert.

Nubian Museum

Unser Fahrer brachte uns noch zu unserem letzten Stopp: dem nubischen Museum. Ich glaube er war recht froh, diese komischen Deutschen los zu werden, die keinen Damm besichtigen wollen.

Das nubische Museum gab uns faszinierende Einblicke in eine Kultur, die wir bisher kaum kannten. Die Nubier beherrschten lange Zeit das Land südlich von Assuan bis zum 6. Katarakt. Sie interagierten mit Ägypten sehr stark und nicht nur der Handel florierte, sondern es gab auch einige nubische Pharaonen. Das Museum war sehr interessant und wir entdeckten viele tolle Schätze und Geschichten, die uns vorher nicht so bekannt waren.

Außerdem durften wir wieder einmal für Selfies herhalten. Eine Schulkasse mit jungen Erwachsenen nutzte die Gelegenheit, uns als willkommene lebende Museumsattraktionen für Selfies zu verwenden. Sonja wurde sogar noch ein Kind in die Hand gedrückt, um einen tolle Erinnerung für das Familienalbum zu haben. Das Kind fing zwar furchtbar an zu weinen, aber das Foto musste nunmal sein.

Nach dem Museum wandelten wir zurück zu unserem Fähranleger und entdeckten noch einen echten Carrefour, wo wir unsere Vorräte an Snacks auffüllten. Außerdem waren wir uns nicht zu schade, zur Abwechslung von den vielen Tagines der letzten Tage heute den besten Chinesen der Stadt auszuprobieren – und es war wirklich sehr gut. Faszinierend waren auch wieder die Chinesen, die extra hierher kamen, um mal wieder was richtiges zu essen zu bekommen. Chinesen und Essen – ein Makrokosmos über den ich seitenweise schreiben könnte. Da wurde dem Koch in die Küche hinterhergelaufen, um ihm zu erklären, wie er richtig kochen soll. Dass sie nicht gleich dort blieb, um ihn genau zu überwachen hat mich echt gewundert. Auf jeden Fall war es sehr gut und jetzt können wir weiter unsere Tagines essen.

Felucca Fahrt in den Sonnenuntergang – Abenteuerpaket

Für den Abend hatten wir uns vorgenommen, eine Bootstour auf dem Nil zu machen und in den Sonnenuntergang zu segeln. Kein Problem, das Guest House organisiert das für uns. Also wurden wir auf ein Kahn gepackt und los ging die entspannte Fahrt. Eine Stunde haben wir das Treiben auf dem Nil genossen und herrliche Bilder gemacht. Natürlich wurden auch wieder irgendwelche Souvenirs angeboten und für ein kleines Trinkgeld haben wir auch was gekauft. So weit so gut.

Leider wurde unser Rücktransport eher zum Abenteuerurlaub. Unser Kapitän hatte schon nach einer halben Stunde etwas genuschelt von wegen der Wind ist heute schlecht und wir können nicht die ganze Strecke zurückfahren und ob es etwas ausmacht, ein paar Minuten zum Guesthouse zu Laufen – hmm eigentlich nicht. Wir wollen ja nicht so sein. Warum die anderen Segelboote munter weiter segeln konnten, blieb uns ein Rätsel – aber man will ja einem alten Seebären nicht erklären, wie Segeln geht.

Leider wurden wir aber nicht irgendwo offizielles abgesetzt, sondern am Pier vom Mövenpick Hotel. Und aus dem Compound kommt man nicht so leicht wieder raus. Der Mitarbeiter von unserem Guest House war auch völlig überfordert mit der Situation und wir lernten so die hintersten Winkel des 5 Sterne Hauses kennen. Den Gemüsegarten, die Wasseraufbereitung, die Generatoren und so weiter. Alles gab es hier im Dunkeln zu bestaunen – nur keinen Ausgang! Zum Glück fanden wir dann irgendwann jemanden von der Security, der uns endlich wieder zurückscheuchte und durch einen Hinterausgang in die Nacht entließ. Der Weg zurück zu der niederen Bevölkerung gestaltete sich weiterhin schwierig und wir brauchten über eine halbe Stunde, um wieder zu Hause anzukommen.

Nach so viel Aufregung entschlossen wir uns, unseren Abend auf der Dachterrasse von Ali Bob Marley bei einer nubischen Pizza ausklingen zu lassen. Und bei entspannten Reggaeklängen malten wir uns schon mal aus, was auf dem Weg nach Abu Simbel morgen für Abenteuer auf uns warten 😉

One thought on “Aswan – der Nil bestimmt das Leben

  1. Hallo Weitgereiste,
    Ägypten muss man einfach besuchen. Dieses Land hat nicht nur wunderbare Altertümer zu besichtigen, es hat auch ganz besondere Menschen. Sie leben in einem Land, das im Sommer sehr heiß und oft auch sehr staubig ist. Sie sind also sehr anpassungsfähig und kennen sich mit den meisten Touristen sehr gut aus. Egal aus welchem Land sie kommen. Natürlich zeigen sie den Fremden gerne die Schönheiten ihres Landes und versuchen dabei möglichst viele Trinkgelder zu bekommen. Außerdem wird noch versucht möglichst viel unnützen Krimskram an die Besucher zu verkaufen.
    Den unfertigen Obelisk kann man nur mit Hochachtung betrachten. Man staunt was diese Steinmetze damals mit ihren einfachen Werkzeugen erschaffen konnten.
    Ihr habt schon so viel unglaublich interessante Dinge gesehen und erlebt, macht einfach so weiter Ganz viele Grüße aus dem kalten Neuenstadt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner