Alles dreht sich um die Vanille

Alles dreht sich um die Vanille

Wie bereits gestern erwähnt sollte der heutige Tag etwas ruhiger werden, damit wir die vielen neuen Eindrücke der letzten Tage auch mal verarbeiten können 😉 Also war der Plan, uns von der Westküste an die Ostküste zu verlegen. Das sind immerhin rund 40km und man muss einmal durch das große urbane Zentrum im Herz der Insel. Unterwegs hatten wir uns eine Tour auf einer Vanille-Plantation gebucht, um mehr über diese teure Nutzpflanze zu erfahren.

Nach einem exzellenten kalten Kaffee ging es auch schon los. Natürlich im Schneckentempo – irgendwas ist immer los auf den Straßen von Mauritus, und bis auf Ausnahmen ist das eher stehend als rasend. Busse müssen Fahrgäste aussteigen lassen, irgendwer muss mit ein einem Ladenbesitzer ein Schwätzchen vom Autofenster aus halten, LKWs voller Zuckerohr, die kaum den Berg hinauf kommen oder das eigene Gefährt, das bei jedem sanften Hügel im 3. Gang ins Schwitzen gerät. Egal, irgendwie haben wir die 35km bis zur Plantage in rekordverdächtigen 55min geschafft.

Plantation Vanille St Julien D’Hotman

Wir hatten uns nach reiflicher Überlegung uns eine kleine familiengeführte Plantage ausgesucht, um hier eine nachhaltige Form des Tourismus zu unterstützen. Die Plantage liegt mitten in einem kleinen Ort, was die Parkplatzsituation doch etwas verschärfte. Zum Glück durften wir aber um die Ecke beim lokalen Reifentandler unser Gefährt auf den Hof stellen. Bei der Größe fällt es da ja auch nicht so sehr auf.

Zurück zu der Plantage. Die Führung sollte um 10 beginnen – irgendwie hatte sie aber schon 10min vorher angefangen – keine Ahnung – wir durften natürlich noch dazu kommen, und so viel hatten wir zum Glück auch nicht verpasst.

Auf der Tour wurden uns viele verschiedene Sorten Obst, Gemüse, Kräuter und Gewürze gezeigt und viele Informationen zu Einsatz, Geschmack und Erntezeit vermittelt. Das Highlight war aber die Produktion von Vanille. Ein gar nicht so einfacher Prozess, wie man sich bei den Preisen auch denken kann. Zuallererst ist die Vanille eine Orchideenart, die sich um andere Bäume rankt. Die Pflanze kann bei richtiger Kultivierung bis zu 15 Jahre alt werden. Da aber die ersten Früchte erst nach 4 Jahren sprießen, ist das insgesamt nicht so viel Zeit.

Kommen wir zu den Herausforderungen in der Kultivierung von Vanille. Erst einmal ist die Pflanze gar nicht im indischen Ozean heimisch. Schon verwirrend, wenn heute fast 80% aller geernteten Vanilleschoten aus Madagaskar stammen. Die Pflanze kommt ursprünglich aus Mexiko und auch nur dort sind die kompatibelen Vögel und Bienen zu Hause, die diese Orchidee bestäuben können. Das bedeutet, dass alle Vanilleschoten, die nicht aus Mexiko stammen, per Hand bestäubt sind.

Damit kommen wir schon zur zweiten Herausforderung. Die Blüten müssen nicht nur per Hand bestäubt werden, sondern die Blüten öffnen sich auch nur am frühen Morgen. Außerdem ist es eher Zufall welche Blüte heute Bock hat sich zu öffnen und welche nicht. Also muss man jeden Morgen auf der Hut sein, um die richtigen Blüten zum bestäuben zu finden.

Danach wird der Prozess nicht einfacher. Die grünen Schoten wachsen bis zu einer gewissen Größe und sobald sie anfangen, sich ins gelbliche zu verfärben müssen sie geerntet werden und in einem separaten Schritt drei Monate im Bananenblatt eingewickelt vor sich hin fermentieren, damit anschließend die perfekte Schotenqualität entsteht. An der Ranke selber würden sie irgendwann aufplatzen und so für den Hausgebrauch unbrauchbar werden.

Durch die geringen Mengen, den hohen Pflegeaufwand und sonstige Gefahren verteuert sich natürlich der Ladenpreis der Schoten. In der Plantage wird jedes Fitzelchen der Vanilleschote verwendet, um so viel Nutzen wie möglich zu haben.

Zum Abschluss der Tour durften wir noch einige Snacks, Marmeladen und weitere Kleinigkeiten probieren. Natürlich war das alles am Ende auch nur eine große Verkaufsshow, aber wenigstens weiß man dann auch, wo die Gewürze und die Vanille herkommen, die man hier käuflich erwirbt.

Foodcourts in Einkaufszentren

Zum Mittagessen haben wir der Einfachheit halber wieder eines dieser großen Einkaufszentren aufgesucht. Dort gibt es meistens auch ganz gute Food Courts, die einem alles verkaufen, was das Herz begehrt. Wir hatten dieses Mal unser Auge auf Biryani, ein indisches Reisgericht geworfen und haben für 3,5 Euro eine riesengroße Portion Reis mit Huhn erhalten, die wir kaum zu zweit bewältigen konnten. Auf jeden Fall sind diese Food Courts für ein schnelles Mittagessen genau das Richtige

La Maison Soleil – Trou d’Eau Douce

Jetzt haben wir unsere zweite Unterkunft auf der Insel erreicht: ein wunderschönes Domizil mit schönem Garten und Pool, auf den wir von unserem Balkon hinunterblicken. Hier bleiben wir nun die nächsten beiden Nächte. Unser Entschluss hierher zu kommen, beruht vor allem darauf, dass man von hier aus mit einem Katamaran hinüber zu einer Insel fahren kann, wo man herrlich schnorcheln kann – wir sind gespannt!

One thought on “Alles dreht sich um die Vanille

  1. Hallo Insulaner,
    über Vanille habt ihr ja viel Interessantes erfahren. Ich habe nicht gedacht, dass so viel Handarbeit beim Vanilleanbau notwendig ist. Mich wundert, dass niemand versucht hat die Bestäuber auch auf die Insel zu holen.
    Der Ausblick eurer neuen Unterkunft ist super. Besonders schön ist der herzförmige Pool.
    Fühlt euch wohl und habt viel Spaß.
    Grüße aus Neuenstadt.

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