6000 Jahre sind ein Tag in Jersey

6000 Jahre sind ein Tag in Jersey

Heute war also unser letzter Tag auf Jersey und da unser Flieger erst am späten Nachmittag abhebt, hatten wir noch fast einen ganzen Tag, um weitere einzigartige Sehenswürdigkeiten auf der Insel zu entdecken. Vorher gönnten wir uns noch ein schönes Frühstück in einem Farmcafé mit dem wunderschönen Namen The Potato Shack. Wir wurden nicht enttäuscht: sowohl der French Toast als auch die Bratkartoffelpfanne waren vorzüglich. Natürlich auch sehr kalorienreich und leider gab es heute keine ausführliche Wanderung, um das alles wieder abzutrainieren – vielmehr stand heute viel Geschichte auf dem Programm.

La Hougue Bie

Eine der wichtigsten archäologischen Stätten auf Jersey liegt unweit der Hauptstadt irgendwo auf dem Land. Um dahin zu kommen waren wieder sehr verwinkelte und einspurige Straßen im Angebot. Zum Glück sind die Leute alle hier sehr entspannt, so dass jede schwierige Blockade irgendwie aufgelöst wird.

Eine der faszinierendsten Fakten über den Ort ist, dass hier neolithische, keltische, römische, mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte fast direkt übereinander geschichtet erlebbar sind. Aber der Reihe nach. La Hougue Bie ist eines der ältesten erhaltenen, von Menschenhand geschaffenen Bauwerke. Vor ca. 6000 Jahren bauten hier Menschen ein Hügelgrab, das auf der Achse des Frühlinganfangs ausgerichtet war, so dass am 20. März die Sonne genau in die 20 m lange Passage zur Grabkammer scheint. Der ganze Hügel, die tonnenschweren Steine und die Grabkammer sind ein beeindruckendes Zeugnis der Fertigkeiten der damaligen Menschen. Hier unter diesen Hügel sich durch die enge Passage zu zwängen, um danach in der Grabkammer zu stehen ist ein eimaliges Erlebnis

Die mittelaterliche Kirche dachte sich: prima – ein heidnisches Bauwerk – was machen wir damit? Bauen wir doch einfach mal eine Kirche drauf, um diese Kultstätte für die eigenen Zwecke zu nutzen. Die heutige Kapelle auf dem Hügel ist nicht mehr so beeindruckend wie sie mal im Mittelalter war – aber das gesamte Ensemble ist immer noch sehr sehenswert. Im Innenraum gibt es auch noch Andeutungen von Fresken, die den mittelalterlichen Danse Macabre – den Totentanz zeigen. Also hat die Kirche erfolgreich das Grabmal einfach in doppelter Bedeutung übernommen.

Die deutschen Besatzer sahen hier einen erhöhten Aussichtspunkt über die Insel und bauten hier kurzerhand eine Wach- und Kommandoeinheit in den Hügel. Der Bunker ist bis heute zu besichtigen und dient als Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit und Ausbeutung in den Nazilagern während des Zweiten Weltkriegs.

Wie ihr merkt habe ich die Kelten und Römer übersprungen. Also springen wir wieder 2000 Jahre in die Vergangenheit – genauer gesagt zu den Gallischen Kriegen. Die Römer eroberten in den Gallischen Kriegen auch die Kanalinseln, was wahrscheinlich dazu führte, dass die hier lebenden Kelten gezwungen waren, ihre Reichtümer zu verstecken. So wurde hier vor ca. 15 Jahren auf einem Feld in der Nähe ein Münzschatz mit über 70.000 Münzen, Goldreifen und anderen Dingen gefunden. Der größte solche Fund aus der Keltenzeit in Europa. In einem sehr schön gestalteten Museum wird gezeigt, wie die Münzen gefunden wurden – als kompletter zusammengebackener Block – und wie die Restauratoren nach und nach alle Münzen einzeln zugänglich machten.

Wir haben in La Hougue Bie deutlich mehr Zeit verbracht, als wir zuerst gedacht haben – es war einfach zu faszinierend. Also falls ihr auf die Insel kommt und ein bisschen was für Geschichte übrig habt, ist das genau der Ort für euch!

Samares Garden and Manor House

Nach soviel Geschichte war es Zeit, sich in einem der schönsten Gärten der Insel zu entspannen. Samares ist ein Herrenhaus, sogar vom lokalen Seigneur noch bewohnt, mit einer wunderschönen Gartenanlage. Das Herrenhaus ist auch zu besichtigen aber das Highlight sind natürlich die Gärten. Vom japanischen Garten, dem Schattengarten über den Dschungelpfad bis zum Ententeich gibt es jede Menge Pflanzen und Landschaften zu entdecken. Ein weiteres Highlight sind die ummauerten Gärten, wo man alles von Apfelbäumen, Bienengärten bis hin zu Kräutern aller Art findet. Es ist ein sehr schöner Ort, wenn man ein oder zwei Stunden Zeit hat, um sich vor dem Rückflug noch zu erholen.

Womit beschließt man seine Reise in den britischen Kulturraum? Natürlich mit einer ordentlichen Portion Fish and Chips. In unserem Fall auf der Strandpromenade mit Blick auf das britische Ferienprogramm am Strand.

So, das war jetzt unser Kurztrip hier nach Jersey – wir können eine Reise hierher nur weiterempfehlen. In 4 Tagen kann man hier sehr viel erleben – wer das ganze etwas entspannter angehen will, kann sich natürlich auch eine Woche Zeit nehmen.

Bis bald!

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